Die meisten Menschen schätzen ihr eigenes Risiko anhand der Frage ein, ob in der Nähe ein Fluss verläuft. Das war lange eine brauchbare Faustregel. Seit die Schäden überwiegend durch Starkregen entstehen, ist sie es nicht mehr.
Zwei verschiedene Gefahren
Flusshochwasser ist gut kartiert. Die Bundesländer veröffentlichen Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten, in denen für Ihre Adresse eingezeichnet ist, welche Flächen bei einem Hochwasser überschwemmt werden, das statistisch alle 10, 100 oder 200 Jahre auftritt. Wer an einem Gewässer wohnt, findet dort eine belastbare Antwort.
Starkregen ist damit nicht abgedeckt. Er kann jeden Ort treffen, auch am Hang und kilometerweit vom nächsten Fluss entfernt. Immer mehr Kommunen erstellen dafür eigene Starkregengefahrenkarten, aber die Abdeckung ist längst nicht flächendeckend.
Was die Versicherungswirtschaft nutzt
Versicherer arbeiten mit einem Zonierungssystem, das Adressen in Gefährdungsklassen einteilt, von der niedrigsten Klasse mit sehr seltener Überschwemmung bis zur höchsten, in der statistisch mindestens alle zehn Jahre mit Hochwasser zu rechnen ist. Diese Einstufung entscheidet, ob und zu welchem Beitrag Sie eine Elementardeckung bekommen. Der überwiegende Teil aller Adressen in Deutschland fällt in die günstigste Klasse, was erklärt, warum sich so viele Eigentümer in Sicherheit wiegen.
Wo Sie selbst nachsehen können
Die Hochwasserportale der Bundesländer bieten Kartenanwendungen, in denen Sie Ihre Adresse eingeben können. Ergänzend lohnt der Blick auf die Website Ihrer Kommune, die häufig eigene Starkregenkarten und Informationen zum Kanalnetz bereitstellt.
Die Prüfung, die keine Karte ersetzt
Gehen Sie bei starkem Regen einmal bewusst um Ihr Haus. Wo sammelt sich Wasser, in welche Richtung fließt es, welcher Punkt liegt am tiefsten? Liegt Ihre Einfahrt abschüssig zum Haus? Sammeln die Nachbargrundstücke Wasser, das anschließend zu Ihnen läuft? Diese zehn Minuten sagen über Ihr tatsächliches Risiko oft mehr aus als jede Gefahrenklasse, weil sie das Gelände in Ihrer Straße berücksichtigen und nicht das Einzugsgebiet eines Flusses.
Häufig gestellte Fragen
Wo finde ich die Hochwassergefahrenkarte für meine Adresse?
Bei den Hochwasserportalen der Bundesländer. Ergänzend führen viele Kommunen eigene Starkregengefahrenkarten.
Ich wohne nicht am Fluss, bin ich sicher?
Nein. Der größte Teil der Schäden der vergangenen Jahre entstand durch Starkregen, und der ist nicht an Gewässer gebunden.
Was bedeutet ein hundertjährliches Hochwasser?
Ein Ereignis, das statistisch einmal in hundert Jahren erreicht oder überschritten wird. Es kann trotzdem zweimal in einem Jahrzehnt vorkommen.
Beeinflusst die Gefährdungsklasse meine Versicherung?
Ja. Sie entscheidet mit darüber, ob eine Elementardeckung angeboten wird und zu welchem Beitrag.




