Fragt man nach dem Material eines Sandsacks, lautet die Antwort meistens Jute. Das stimmt seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Sandsack, der heute bei Hochwasser zum Einsatz kommt, besteht fast immer aus gewebtem Polypropylen, kurz PP. Dafür gibt es gute Gründe, und eine wichtige Einschränkung.
Warum Polypropylen die Jute verdrängt hat
Jute ist eine Naturfaser. Nass wird sie mit der Zeit faulig, und ein Jutesack, der eine Woche im Wasser lag, reißt beim Anheben. Polypropylen ist Kunststoff: Es nimmt kein Wasser auf, verrottet nicht und behält seine Festigkeit auch nach Tagen im Nassen. Ein PP-Sack in 40 x 60 cm trägt gefüllt problemlos 15 bis 20 Kilogramm, ohne dass die Naht nachgibt.
Dazu kommt: PP ist günstig und leicht. Hundert leere Säcke passen in einen Umzugskarton und wiegen zusammen kaum mehr als eine Einkaufstasche. Für alle, die Material auf Vorrat legen wollen, ist genau das der Punkt. Man legt sie weg und vergisst sie, bis man sie braucht.
Die Einschränkung: Sonnenlicht
Polypropylen hat eine Schwachstelle, und das ist UV-Strahlung. Unbehandeltes PP wird in der prallen Sonne spröde. Nach einem Sommer im Freien lässt sich das Gewebe mit dem Daumen durchdrücken, und der Sack reißt genau dann, wenn Sie ihn bewegen wollen. Säcke, die länger als ein paar Wochen draußen liegen bleiben, brauchen daher eine UV-stabilisierte Ausführung.
Für den akuten Einsatz über wenige Tage spielt das keine Rolle. Bauen Sie einen Damm, der die ganze Saison stehen bleibt, decken Sie ihn mit Folie ab oder greifen Sie bewusst zu einer UV-beständigen Qualität.
Gewebt oder als Folie
Gewebtes PP erkennen Sie am Karomuster der Bändchen. Dieses Gewebe gibt dem Sack seine Reißfestigkeit und lässt gleichzeitig langsam Wasser durch. Dadurch passt sich der gefüllte Sack dem Untergrund an und drückt sich an seine Nachbarn. Genau dieses Anschmiegen brauchen Sie beim Stapeln. Nicht gewebte Folie ist zwar dicht, aber steif und stapelt sich deutlich schlechter.
Wiederverwendung
Ein sauber gebliebener PP-Sandsack lässt sich mehrfach verwenden. Leeren, Sand abspülen, vollständig trocknen lassen und dunkel lagern. Säcke, die in verschmutztem Wasser lagen, also in Abwasser, Heizöl oder Chemikalien, gehören in den Abfall. Der Sand darin übrigens auch; der darf nicht einfach in den Garten.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange hält ein Polypropylen-Sandsack?
Trocken und dunkel gelagert jahrelang. In der prallen Sonne kann unbehandeltes PP schon nach einem Sommer spröde werden, dann ist eine UV-stabilisierte Ausführung nötig.
Kann ich dieselben Säcke im nächsten Jahr wieder verwenden?
Ja, sofern sie sauber und unbeschädigt sind und vollständig getrocknet eingelagert wurden. Säcke aus verschmutztem Wasser nicht wiederverwenden.
Ist Polypropylen wasserdicht?
Das Gewebe lässt langsam Wasser durch. Das ist kein Mangel: Ein Sandsackdamm wirkt dadurch, dass sich die Säcke aneinander formen, nicht dadurch, dass jeder einzelne dicht ist.
Warum sind Sandsäcke meist weiß oder schwarz?
Weiß ist das unbehandelte Grundmaterial. Schwarz enthält Rußpigment, und dieses Pigment hält UV-Strahlung ab, weshalb schwarze Säcke in der Regel sonnenbeständiger sind.





